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Wie du es zur Meister:in für Sensorische Integration bringst

Vor der SI-Ausbildung haben manche Therapeut:innen die Erwartung, dass sie, sobald sie das ASI®Practitioner Zertifikat in der Hand halten werden,  SI-Spezialist:innen sein werden. Doch je mehr man weiß, desto mehr wird einem auch bewusst, wie viel man noch nicht weiß… und wenn es dann soweit ist mit dem Zertifikat, ist den meisten reflektierten Therapeut:innen doch bewusst, dass sie jetzt gerade am Beginn stehen. Denn das  faszinierende Thema Sensorische Integration, das die Rolle der Sinnesverarbeitung dabei, wie wir lernen, uns verhalten und regulieren und mit unserer Umwelt interagieren, untersucht und zu erklären versucht, ist komplex! Wir müssen Wissenschaft (Neurophysiologie, Kindesentwicklung, Testtheorie, Evidenz etc.) und die Kunst der Therapie kombinieren. Obwohl das Curriculum der GSIÖ vorschreibt, dass die Teilnehmer:innen in unseren SI-Ausbildungskursen bereits sehr viel in die Praxis umsetzen müssen, beginnt für jede:n einzelne:n Therapeut:in nach dem Zertifikat die jahrelange Arbeit, alle Informationen rund um SI zu sortieren, gewichten, verdauen, verinnerlichen, und das gesamte Gelernte auf ihre/seine individuelle Situation anzuwenden. Die Wahrheit ist, dass Spezialisierung eine lebenslange Reise voller Lernen, Praxis und Reflexion ist.

 

Warum kontinuierliches Lernen unverzichtbar ist

Du hast wahrscheinlich schon von der 10.000-Stunden-Regel gehört, die durch das Buch "Outliers" (1993) von Malcolm Gladwell bekannt wurde. Die Regel besagt, dass es etwa 10.000 Stunden Übung und Erfahrung bedarf, um komplexe Fähigkeiten und Materialien zu beherrschen und in einem bestimmten Bereich Expertise zu erlangen, also ein:e Spezialist:in ihres Fachgebiets zu werden. (Bei 20 Wochenstunden sind das 10 Jahre.) Therapeut:innen brauchen also eine beträchtliche Menge an praktischer Erfahrung und kontinuierlicher Weiterbildung benötigen, um Expert:innen in Ayres Sensorischer Integration (ASI) zu werden.

Sensorische Integration ist ein dynamisches Feld, das ständig durch neue Forschung erweitert wird. Was wir heute wissen, kann morgen durch bahnbrechende Erkenntnisse ergänzt oder erweitert werden. Daher ist das Zertifikat zwar ein bedeutender Meilenstein auf deiner Reise zur ASI-Spezialist:in, aber nicht ihr Endpunkt. Die Zertifikatsausbildung ist ein solides Fundament, auf dem du weiter aufbauen und deine Fähigkeiten verfeinern kannst.

 

Die Herausforderungen und Belohnungen der Spezialisierung

Ein:e Spezialist:in zu werden bedeutet mehr, als nur Techniken zu erlernen. Es geht darum, ein tiefes Verständnis für die Zusammenhänge zwischen Wahrnehmung und Alltag und für die individuellen Bedürfnisse jedes Klienten zu entwickeln, die Theorie hinter den Strategien und Techniken zu verstehen und dadurch in der Lage zu sein, sie kreativ zu adaptieren, um individuelle und wirksame Therapiemaßnahmen für verschiedene Herausforderungen zu entwickeln. Es bedeutet, ein:e scharfe:r Beobachter:in, ein:e kreative:r Problemlöser:in und ein:e einfühlsame:r Begleiter:in des Kindes und der Mutter/Eltern zu sein. Dieser Prozess ist herausfordernd, doch die Belohnungen sind immens, wenn du siehst, wie deine Arbeit das Kind aufblühen lässt und die Lebensqualität der ganzen Familie verbessert.

 

Wie lernst du am wirksamsten?

Gladwell beruft sich v.a. auf eine Studie von Anders Ericsson, Professor für Psychologie an der Florida State University. Diese Studie zeigte, dass es dabei einen entscheidenden Faktor gibt: das Üben muss bewusst und gezielt, am besten unter Anleitung erfolgen (deliberate practice). Ericssons Forschung zeigte, dass man auch Tausende von Stunden üben kann und trotzdem kein Meister wird, wenn man keine Mentor:in hat hat, die auf die entscheidenden Verbesserungspunkte hingeweist.

 

Bewusstes Üben (deliberate practice)

Bewusstes und gezieltes Üben oder Trainieren ist der Schlüssel zur Meisterschaft in jedem Feld, besonders in einem so komplexen und nuancierten Bereich wie der Sensorischen Integration. Es geht um eine spezifische Art von Übung, die systematisch auf Verbesserung ausgerichtet ist. Es ist Arbeit unter Anleitung bzw. Supervision eine:r  Lehrenden oder Mentor:in.

 

Laut Ericsson ist es am besten, wenn die Lernenden persönlich und in Interaktion unterrichtet werden. Die Lehrkraft oder Mentor:in muss in der Lage sein, die Lernenden individuell einzuschätzen und festzustellen, was der nächste Schritt für sie ist, damit sie sich weiterentwickeln und verbessern können.

 

Aktives Lernen

Eigenaktives Erarbeiten und Anwenden von theoretischen Inhalten ist entscheidend. Techniken wie das "umgedrehte Klassenzimmer" („inverted classroom“ oder „flipped classroom“) eignen sich gut für aktives Lernen. Dabei erarbeiten die Lernenden im Voraus selbst die Inhalte anhand von Videos Vorlesungen oder Präsentationen, Artikeln und Fallstudien. Im Präsenzunterricht steht die Zeit dadurch vorwiegend für Fragen, Diskussionen und praktische Übungen mit direktem Feedback zur Verfügung.

 

 

7 Strategien, wie du das Thema ET-ASI meistern wirst

  1. Bilde dich auch nach dem Zertifikat kontinuierlich weiter! Nimm an Workshops zur Erweiterung und Vertiefung, an fortgeschrittenen Kursen und Webinaren zu Spezialthemen teil, um deine Kompetenzen zu vertiefen und mit den neuesten Entwicklungen Schritt zu halten.
  2. Nimm an spezifischen SI-Kongressen wie dem ISIC teil und vernetze dich mit SI-Begeisterten aus der ganzen Welt! Erfahre über Studien, die anderswo laufen, über die neuesten Forschungsergebnisse, über Studienprogramme und genieße es, wie deine berufliche Identität unter so vielen Gleichgesinnten gestärkt wird.
  3. Nimm Mentoring oder Fachsupervision deiner eigenen Arbeit mit ASI in Anspruch! Nutze unser Angebot an Supervision oder das neue, individualisierte Mentoring, um wertvolles Feedback zu erhalten und deine Fähigkeiten zu schärfen.
  4. Suche den fachlichen Austausch mit SI-erfahrenen Kolleg:innen und bau dir ein kompetentes Netzwerk auf! Dieses Netzwerk von anderen Therapeut:innen und Expert:innen hilft dir, neue Perspektiven zu gewinnen und sich gegenseitig zu unterstützen.
  5. Reflektiere und entwickle dich ständig weiter! Setze dich regelmäßig mit deiner Praxis auseinander, reflektiere deine Erfahrungen und passen deine Therapiemaßnahmen  entsprechend an. Probiere Neues aus! Aber bedenke: als professionelle:r Therapeut:in musst du jederzeit wissen und begründen können, warum du eine Strategie so einsetzt wie du sie einsetzt!
  6. Engagiere dich in der SI-Community! Beteilige dich aktiv an der Fachgemeinschaft, z.B. durch Mitgliedschaft und aktive Mitarbeit in der GSIÖ, wo du vom „Urgestein“ der SI in Österreich lernen kannst, und durch die Teilnahme an Arbeitskreisen des Berufsverbandes, wo du das Thema SI ansprechen und dein Wissen teilen kannst.
  7. Werde zur Multiplikator:in! Auch wenn du noch nicht totale:r Expert:in bist, kannst du bereits grundlegendes Wissen über die Bedeutung unserer (Nah)Sinne und die Auswirkungen von SI-Störungen in niedrigschwelligen Präsentationen verbreiten! So könntest du einen lebendigen Vortrag oder eine Selbsterfahrungsstation z.B. bei einem Elternabend im Kindergarten oder auf einem Gesundheitstag anbieten. Solche Herausforderungen bringen dich einen Riesenschritt weiter in Richtung Spezialist:in: vom selbst Verstehen und Umsetzen dazu, es anderen erklären zu können.

 

Indem du diesen Weg der kontinuierlichen Entwicklung und Reflexion beschreitest, trägst du zur Weiterentwicklung der Sensorischen Integration und zur Verbesserung der Lebensqualität deiner Klienten bei. Und ganz nebenbei etablierst du dich dabei als Spezialist:in in diesem Fachgebiet.

 

 

Das SI-SeminarInstitut unterstützt dich auf deinem Weg zur SI-Spezialist:in durch

  • Umfassende Kurse, die sowohl theoretisches Wissen der SI-Theorie als auch praktische Fähigkeiten für die SI-Therapie umfassen.
  • Praxisorientierte Lernmöglichkeiten: Unsere praktischen Kurse zum EASI und zur Befundung und Behandlung bieten praktische Übung mit echten Materialien und in echten Therapiesituationen mit  unmittelbarem Feedback. Wir bieten Supervision und überarbeiten gerade unser Mentoringprogramm und ein eigenes Seminar mit Fallstudien.
  • Fortlaufende Weiterbildung durch die Webinare und Weekend Workshops, mit denen sich SI-zertifizierte Therapeut:innen weiter vertiefen, erweitern und ihr Wissen kontinuierlich aktualisieren können.
  • Zukünftige Angebote für die fortgeschrittenen Spezialisierung: wir werden spezialisierte Module oder Kurse für fortgeschrittene Techniken in ASI anbieten. 

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