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Innovative ASI-Strategien in der therapeutischen Praxis

Die innovative Strategie, über die ich heute sprechen möchte, hat mit Propriozeption zu tun.  Propriozeption ist das am häufigsten missverstandene Sinnessystem. Selbst in Büchern findet man falsche Informationen zur Proprizeption. Deshalb möchte ich den Begriff Propriozeption und das Sinnessystem kurz klären, bevor wir zu seiner Anwendung kommen.

 

Propriozeption, übersetzt "Eigenwahrnehmung" ist ein eigenes Sinnessystem, das du in jedem Neurophysiologielehrbuch findest. Es wurde erst spät (um 1900) entdeckt und rief großes Erstaunen hervor: ein Sinnessystem das über unseren eigenen Zustand informiert!

 

Die Rezeptoren sitzen in Muskeln und Gelenken und werden bei Muskelkontraktion und Veränderungen der Gelenksstellung aktiviert. Dachte man früher, dass v.a. Reize von den Gelenken und Knochen dem Gehirn propriozeptive Information liefern, weiß man heute, dass es vor allem Muskelaktivität ist, die propriozeptiven Input liefert. Je mehr wir uns körperlich anstrengen, desto stärkeren propriozeptiven Input bekommt also unser Gehirn.

 

Wofür braucht das Gehirn den propriozeptiven Input?

Für zwei sehr unterschiedliche Aufgaben:

1. Bewegungssteuerung - die Dosierung von Kraft und Bewegung (Richtung, Ausmaß), auch involviert in das Initiieren und die Geschmeidigkeit von Bewegungen

2. Regulation des Erregungsniveaus (Arousal) des Gehirns - und zwar je nach Bedarf aktivierend oder inhibierend 

Damit ist Propriozeption das Geheimnis der SI-Therapie!

 

Der konkrete Praxistipp: Gewichtsmanschetten

Wie für alle Gewichtsprodukte gibt es hier keine evidenzbasierten Gewichts- oder Tragedauerbeschränkungen. Es ist ja ein Grundsatz der SI-Therapie, dass die anpassenden Reaktionen des Kindes die therapeutischen Maßnahmen leiten. So auch hier: solange dem Kind die Manschetten guttun, kann es sie oben lassen. Zeigen sie keine Wirkung mehr oder gar negative Wirkungen (Kind will sie nicht mehr, wird gereizt), dann kommen sie weg. Die Expertise einer ASI-zertifizierten Therapeut:in ist hier die beste Richtschnur. In diesem Sinne sollten Eltern Gewichtsmanschetten für zuhause immer erst nach Erprobung während der Befundung oder Therapie kaufen.

 

Anwendungsbeispiele:

  • Tragen von Gewichtsmanschetten an Fußgelenken, Hüfte und evtl. Armen (entscheidet die Therapeut:in) während Bewegung, v.a. Klettern über verschiedenste Hindernisse und Leitern/Kletterwände.
  • Tragen von Gewichtsmanschetten an Fußgelenken und Hüfte bei kleinen, ziellos herumrennenden  hyperaktiven Kindern während sie den Raum erkunden scheint manchmal Wunder zu wirken! Wie wenn man einen Schalter umlegt, bewegt sich das Kind plötzlich langsamer und gezielter. Diese Wirkung hält oft erstaunlich lange an.

Wenn du selbst ASI-zertifizierte Ergo- oder Physiotherapeut:in bist und Gewichtsmanschetten bisher noch nicht SI-spezifisch eingesetzt hast, dann los! Berichte in den Kommentaren von deinen Erfahrungen!

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